1997 | Kall Urft

Vorgeschichte

Auch zu unserem zweiten Ferienlager gibt es natürlich eine Vorgeschichte, wenn auch nicht eine so lange wie zum ersten Ferienlager 1996.

Aber schon am Ende des ersten Lagers war klar, dass wir uns im nächsten Jahr - 1997 - wieder auf den Weg machen wollten. Die Vorliebe unseres Lagerleiters Heinz Strätker für die Eifel ließ uns denn auch dort nach einem Haus Ausschau halten.

Zunächst war geplant, bereits 1997 mit eigenen Kochfrauen loszufahren, entsprechend waren wir auf der Suche nach einem Selbstversorgerhaus. Dieses glaubten wir in Nideggen-Schmidt am Rursee gefunden zu haben. Jedoch - unsere Buchungsbestätigung gelangte auf den "verkehrten Schreibtisch" beim Vermieter, so dass wir am Ende ohne Haus dastanden. Unseren Ärger und die drohende Verzweiflung kann man sich leicht vorstellen.

 

Aber: Der liebe Gott tut nichts als fügen! - Glücklicherweise haben wir noch ein Haus - allerdings mit Vollverpflegung - im Kaller Ortsteil Urft gefunden, eine ehemalige kleine Fabrik, die nun als Schullandheim dient.

40 Kinder wollten wir mitnehmen - ob wir das wohl schafften? Oder würden wir dann dem anderen Ferienlager - den "Österreichern" Teilnehmer wegschnappen?

Nun, wir haben mit den Österreichern gesprochen, die hatten kein Problem mit unserer "Konkurrenz", gaben uns wie selbstverständlich Tipps und hilfreiche Hinweise, wie das eben unter "Kollegen" üblich ist. An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an die damalige Lagerleiterin der Österreicher Sylvia Uesbeck.

Lange Rede - kurzer Sinn: Wir waren "voll", die Österreicher auch, und beide Lager hatten auch noch eine Warteliste! Wer hätte mit so einem Andrang gerechnet, aber wir haben uns gefreut; besonders auch darüber, dass sich etliche sofort wieder bei uns angemeldet haben und wir somit nicht ein Lager zweiter Klasse waren, bei dem man nur mitfährt, wenn man für "Österreich" keinen Platz mehr erreicht.

Die weitere Vorbereitung lief schon wie im letzten Jahr, nur dass wir noch drei zusätzliche Leiter mit ins Boot holten: Stephan Fleige und Tanja Kramer, beide schon Leiter im Kolpinglager gewesen, und Marius Pliete, ebenfalls ein Kolpinger, aber bisher ohne Leitererfahrung.

Das Lager

Unser zweites Sommerferienlager hatte - aus heutiger Sicht - einige Besonderheiten, die hier exemplarisch für vierzehn tolle Tage stehen sollen.

Am ersten Tag sind wir noch durch Matsch und Pfützen nach Kall gelaufen, aber danach hatten wir fast durchgängig schönes Wetter! Das machte uns zum Teil auch zu schaffen, denn wir hatten keinen See in der Nähe. Deswegen sind wir zweimal zum Kronenburger See (übrigens Ziel unseres 2000er Lagers) gefahren und einmal nach Gemünd (Ziel 2003) ins Freibad. Einmal haben wir auch die heißbegehrten "Spiele ohne Grenzen" durchgeführt, die heute nur noch unter dem Namen "Wasserspiele" laufen. Am Ende haben wir übrigens den Gartenschlauch herausgeholt!

Erwähnenswert sind auf jeden Fall die Zimmer! Zwei Zwölferzimmer mit jeweils schätzungsweise 20 (zwanzig) Quadratmetern Fläche. Mir taten die Jungs ja auch wirklich leid, aber was sollten wir machen?

Eine weitere Eigenart des Hauses war, dass wir nur einen Duschraum hatten. Ja, richtig. Für Jungs UND Mädels. Also festgesetzte Duschzeiten (an die sich aber v. a. die Mädels nicht gehalten haben (vielleicht, weil die Jungs eh' etwas duschfauler sind...)). Es hat aber auch die hemmungslosen kleinen Jungs gegeben, die mal schnell eben hinter den Duschvorhang geschaut haben, ob diejenige dahinter endlich fertig ist. (Zur Verteidigung: dieser Vorfall ist mir nur im Nachhinein zu Ohren gekommen! Anderenfalls hätte ich natürlich etwas dagegen unternommen - ist ja klar!)

In diesem Jahr sind wir wieder viel gewandert, auch wenn Heinz meint, dass sei alles gar nicht so wild gewesen. Doch, es war wohl anstrengend, vor allem, als wir zur Burg Reifferscheid gelaufen sind, gut 14km entfernt, und dann natürlich auch noch wieder zurück. Aber es war alles machbar.

Im Leiterteam haben wir uns in diesem Jahr besonders gut verstanden. Die drei "Neuzugänge" haben sich sehr gut ins Team eingefügt und es war sehr schade, dass Tanja und Stephan in den folgenden Jahren nie mehr dabei sein konnten. Den damals 16-jährigen Youngster Marius aber verbindet seit diesem ersten Jahr eine besondere Freundschaft zu "Lageropa" Heinz. Aber es ist weder Marius noch uns anderen bisher gelungen, Heinz das Rauchen abzugewöhnen.

Das Haus war - wie schon angedeutet - nicht so ganz der Bringer. Aber es hatte auch einige nicht zu unterschätzende Vorteile: Zum einen eine Turnhalle, die zwar klein, aber dafür für alle Arten von Veranstaltungen (Ballspiele, Tischtennis, Spielshows oder Disco) geeignet war und auch genutzt wurde. Zum anderen hatten wir ein Leiterzimmer, das durch eine Glaswand vom Flur abgetrennt war. Drinnen ein Ecksofa und ein Sessel und damit Treffpunkt für Leiter und Kinder, wobei ich der Ehrlichkeit halber zugeben muss, dass hier mit Kinder hauptsächlich die kleinen Mädels gemeint sind, die irgendwann auf den Trichter gekommen waren, sich unter uns Leitern ihren jeweiligen "Papa" auszusuchen (und das hielt dann auch gut zwei Jahre an...). Im Leiterraum stand übrigens ein Fernseher, der jedoch so alt war, dass er einige Minuten brauchte, bis er ein Bild von sich gab. Nachdem also das erste Kind vergeblich versuchte, den Fernseher einzuschalten, haben wir ihn mit "Kaputt isser" beschriftet und das Thema war gegessen. Denn Fernsehen im Ferienlager ist uns nach wie vor ein Greul.

Ein weiterer Vorteil des Hauses war die Wiese dahinter sowie die "Feuerwiese" ein Stück die Straße hoch. Hier war auch ein Lagerfeuerplatz, den wir auch ein oder zwei Mal genutzt haben.

Wermutstropfen dieses Lagers war (neben den 12er-Zimmern) nur das Essen, das echt nicht der Bringer war. "Dimi's" - die Pizzaria im 800-Seelen-Ort - hatte guten Zulauf!

Und so war nach diesem Erfolg auch das nächste Ferienlager gesichert.

Erkenntnisse

Natürlich haben wir auch aus diesem Jahr wieder etwas gelernt:

  • Aufgabenteilung
    Eine konsequente Aufgabenteilung trägt zur Entlastung jedes einzelnen Leiters bei. Es ist absolut nicht nötig, dass sich jeder Leiter an der Vorbereitung jedes Programmpunktes beteiligt.
  • Gute-Nacht-Geschichten
    Es kann unheimlich Spaß machen, Kindern abends noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Natürlich sollte man dafür entsprechende Bücher dabeihaben. Auf der anderen Seite verschiebt sich eine gemeinsame Leiterrunde am Abend dadurch noch weiter nach hinten.
  • Selbstverpflegung
    Spätestens nach diesem Lager war uns klar, dass wir mit Vollverpflegung nicht glücklich werden. Es war ein großes Problem, Essenszeiten variabel zu gestalten, und auch das Essen war eben wirklich schlecht. (Man kann natürlich auch Glück haben (siehe Kronenburg 2000), aber das weiß man ja vorher nicht.)
  • Frühstück ist wichtig!
    In diesem Lager gab es nur jeden zweiten Morgen Brötchen zum Frühstück, ansonsten "trockenes" Brot. Das schlug sich schon auf die Laune nieder. Also: Ein gutes und ordentliches Frühstück ist eine wichtige Grundlage für einen gelungenen Tag! Also sollte man hier auch nicht sparen.
  • Nähe zum Wasser
    Ein See in der Nähe des Hauses ist im Sommer nicht zu unterschätzen. Da wir keinen hatten, mussten wir lange fahren, um ans (ins) Wasser zu kommen.
  • Erste Hilfe
    Es wurde auch in diesem Lager deutlich, dass wir auch langfristig immer wieder mit kleinen Unfällen und Krankheiten bei den Kindern rechnen mussten. Deswegen ist es nötig, sich im Vorfeld des Lagers mit dieser Thematik zu beschäftigen.
  • ältere Teilnehmer
    Man kann den ältesten Teilnehmern - auch wenn diese erst 14 sind - schon eine Menge zutrauen, z. B. auch die Unterstützung der Leiter, wenn diese mal knapp werden. (So geschehen während der Zweitageswanderung: 3 Leiter waren mit ca. 13 Kindern unterwegs, ein vierter brachte diesen gerade Essen, und dann musste noch ein Leiter mit einem Kind ins Krankenhaus. Folge: Nur noch zwei Leiter für knapp 30 Kinder und ein Nachmittag zu gestalten. Aber es ging.

 

(Peter Witte, 2000)